Mitmachen bei den Guten

Von der Bürgerinitiative zum alternativen Energieversorger – so könnte man die GEschichte der Benergie kurz zusammenfassen. “Wir wollten seinerzeit Alternativen schaffen, die es trotz der Liberalisierung nicht gab”, schildert Vorstandsmitglied Ellen Sager die Motivation, Energie aus Bürgerhand zu organisieren.

Im Jahr 2004/2005 hatten um die 17.000 Bremer⁄innen Widerspruch gegen die erhöhten und undurchschaubaren Gaspreise eingelegt. Etliche von ihnen schlossen sich zur “Bürgerinitiative gegen Gaspreiserhöhung” (BIGAS) zusammen und gründeten später, im März 2006, die Bremer Energiehaus-Genossenschaft.

Bundesgerichtshof verpflichtet die Gasnetzbetreiber

Im Oktober 2006 wollte die Benergie erstmals Gas an die Mitglieder liefern, scheiterte aber zunächst am Widerstand der Gasnetzbetreiber. Die Bundesnetzagentur, zuständig für die Regulierung des Energienetzmarktes, war außerstande, die Voraussetzungen für entsprechende Rahmenverträge mit den Gasnetzbetreibern zu schaffen. Denn: Die deutschen Netzbetreiber verweigerten die Bereitstellung der dazu notwendigen Daten und beriefen sich dabei auf das Betriebsgeheimnis. Im Juni 2007 jedoch entschied der Bundesgerichtshof, dass die Netzbetreiber zur Offenlegung dieser Daten verpflichtet seien.

Inzwischen war die Zahl der Widersprüche gegen die Bremer Gaspreise auf 27.000 angestiegen. Auch in Niedersachsen regte sich Widerstand gegen den dortigen Monopolisten.

Energieversorgung endlich in eigener Hand

Nun konnten erste Verhandlungen mit den Gaslieferanten und Gasnetzbetreibern aufgenommen werden. Sie waren recht langwierig, doch zum 1. Februar 2009 konnten die Mitglieder in Bremen und im Bremer Umland endlich mit dem “eigenen” Gas beliefert werden. Bereits ein knappes Jahr vorher startete die Benergie mit der Vermittlung von Strom. Seit Mitte 2009 vertreibt ihn die Benergie auch selbst. Inzwischen liefert die Benergie Naturstrom und Gas an über 5.000 Abnahmestellen, an Privathaushalte wie gewerbliche Abnehmer (ca. 25%). Die Genossenschaft zählt inzwischen weit über 3.000 Mitglieder.

Eine starke Gemeinschaft: Die Genossenschaft

Der Grundgedanke der Genossenschaft: Gemeinsam seine Ziele besser zu erreichen als im Alleingang. Alleine besitzt ein einzelner Bürger keine Macht gegenüber den großen Energiekonzernen. Gemeinsam bringt man hingegen einiges in Bewegung. Unser Ziel als Genossenschaft ist es, auch die wirtschaftliche Tätigkeit unserer Mitglieder zu unterstützen – sprich: Günstig saubere Energie beziehen zu können. So treten wir für unsere Mitglieder gemeinsam am Markt auf, etwa um günstige Beschaffungskonditionen zu erlangen.

Wie bei allen Genossenschaften sind die Mitglieder zugleich Eigentümer und Kunden ihrer Genossenschaft. Das so genannte Identitätsprinzip unterscheidet eine Genossenschaft von allen anderen Formen der kooperativen Zusammenarbeit. Die Genossenschaft wird von Personen geführt (Vorstand und Aufsichtsrat), die selbst Mitglied der Genossenschaft sind. Die grundsätzlichen Entscheidungen werden in der Genossenschaft in der Generalversammlung der Mitglieder getroffen. Hier hat jedes Mitglied unabhängig von seiner Kapitalbeteiligung nur eine Stimme. Dadurch ist die Genossenschaft vor der Dominanz einzelner Mehrheitseigner und damit auch vor „feindlichen Übernahmen“ geschützt.

Im November 2016 wurde die Genossenschaftsidee und -Praxis von der UNESCO in die Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.

Die Benergie